Das Ziel ist der Weg

Kontrolle vs. Abenteuer

Unser Verstand will immer einen Plan haben. Erst tun wir dies, dann das. Dabei verlieren wir den Bezug zu der Gegenwart. Hören wir stattdessen auf unser Gefühl, sind wir im Augenblick präsent. Es geht dabei, um das „Einlassen“, den Moment anzunehmen, wie er ist und nicht, wie er zu sein hat. Wenn ich im Kopf habe: Ich gehe heute wandern, dann hat mein Verstand klare Vorstellung davon, wie die Wanderung abzulaufen hat: Route bestimmen, Einkehrmöglichkeiten, Parkplatz ausfindig machen. Dabei lasse ich ganz außer Acht, was mir an diesem Tag guttut. Einen Zielpunkt festzulegen ist hilfreich. Dennoch ist es wichtig, offen für Abweichung und Planänderung zu bleiben. Auf dem Weg zu meinem Ziel kann ich vieles entdecken, was für mich genau jetzt wichtig und richtig ist.

Der Weg ist wahrhaftig das Ziel!

In diesem Sinn bekommt der Ausdruck „Der Weg ist das Ziel“ eine neue Bedeutung. Sie ist in diesem Kontext greifbarer. Die Abenteuer liegen auf und neben dem Weg. Ziele zu definieren ist wichtig und dennoch ist der Weg dorthin viel wichtiger und lehrreicher als das Ziel selbst.

Jakobsweg zeigt, wie wichtig der Weg ist!

Diese Erfahrung durfte ich auf dem Jakobsweg machen. Dort hat jeder Pilger*innen das Ziel eines Tages „Santiago de Compostela“ zu erreichen. Der eine braucht dafür eine Woche, der andere 10 Jahre, da er z. B. jedes Jahr nur eine Woche läuft und in seiner Heimat Norwegen gestartet ist. Das gemeinsame Ziel verbindet alle Pilger und doch geht jeder seinen eigenen individuellen Weg. Doch stellen wir uns vor, wir gelangen direkt von unserem Startpunkt zu unserem Ziel. Welcher Sinn hat dann der Weg? Uns fehlen die lustigen, traurigen, wütenden, überraschenden Begegnungen mit Menschen, Tieren und Natur. Für mich sind die kostbaren Momente, die, die ich nicht erwartet habe.

Eine Jakobswegs-Geschichte

Auf einem Wegabschnitt des Camino del Norte, der direkt an der Küste entlang geht, laufe ich seit drei Stunden Berg auf und Berg ab. Mein Plan war es, an der erst möglichen Station zu frühstücken. Da ich lieber nach dem Aufstehen 5km laufe, bevor ich das typische spanische Frühstück „Café con leche“ ( Cappuccino) und eine „Tostada con tomate“  (Toast mit Tomaten und Olivenöl) genieße. Es schmeckt einfach besser 🙂

Was ich nicht einkalkuliert habe, ist,dass dieses Café nicht geöffnet ist. Das bedeutet weitere 10 km ohne mein geliebtes spanisches Frühstück zu marschieren. Dementsprechend ist meine Freude am Laufen kurz verschwunden und stattdessen ist die dreijährige motzige Milena zum Vorschein gekommen. Ihre Ansage ist: Ich laufe keinen Schritt mehr, das ist alles doof. Und dann plötzlich taucht hinter der nächsten Kurve des Weges ein lächelnder Jura Student aus Frankfurt auf. Mein erster Gedanke: Warum in Gottes Namen ist der so gut drauf? Hat er ein Café gefunden, das ich übersehen habe? Es kann nur das sein. Denn ohne Kaffee kann kein Deutscher so freundlich aussehen. Ich erzähle ihm meine „Frühstücksproblematik“. Daraufhin erwidert er, dass mein Problem schnell gelöst sei: Laut seinem Reiseführer befindet sich das nächste Café in 1km Reichweite. Meine kleine bockige Milena verwandelt sich blitzartig in ein fröhliches, lachendes Mädchen. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und sind den restlichen Tag mit viel Freude zusammen gelaufen.

Kurz vor dem Schlafengehen an diesem Tag lächle ich und denke:

Herrlich, der Camino gibt dir das, was du brauchst.

Du brauchst lediglich weiterzulaufen, um zu sehen, was sich hinter der nächsten Kurve befindet. 

Bleibst du stehen, wirst du es nie herausfinden. 

Die Abenteuer findest du auf dem Weg, nicht am Ziel. 

In diesem Sinne: Buen Camino!

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